Wenn die Kombination von Musik und Theater in Baar beschrieben werden soll, kommt man nicht darum herum, die Theatergesellschaft Baar hervorzuheben. Unter diesem Namen wurde am 17. Juli 1879 ein Verein gegründet, der die Hebung und Veredlung des gesellschaftlichen Lebens, sowie im Besonderen die Pflege eines unterhaltenden und bildenden Volkstheaters bezweckte. Mitglied wurde man durch Zeichnung von Anteilscheinen oder durch aktive Mitwirkung bei theatralischen Aufführungen. Aus den vorhandenen Akten lässt sich aber kaum eine ausführliche Geschichte über die Gesellschaft schreiben. Trotzdem gibt das Studium der ungeordneten  Protokolle, Briefe, Rechnungen und Quittungen etwas Aufschluss über die Zeiten, die von der Gesellschaft durchgemacht wurden. Mit Sicherheit kann gesagt werden, dass die Existenz oft an einem dünnen Faden hing und nicht immer gesichert war, sei es aus finanziellen, personellen oder äusseren Umständen.

Anlass zur Gründung war der Bau des 1878 eröffneten neuen Schulhauses (Marktgasse) mit einem Theatersaal. Wer die treibenden Kräfte zu dieser Gründung waren, kann leider nicht mehr eruiert werden. In einem Aufruf rühmte man sich, das weit und breit grösste und geeignetste Theaterlokal zu besitzen. Zukünftig wollte man nicht mehr den lieben Nachbaren in Zug für ihre in beschränkten Räumlichkeiten gegebenen Schauspiele viel Geld hineintragen.  Mittlerweilen  haben die lieben Nachbaren die Baarer diesbezüglich aber überholt und stehen lassen.
Der Start gelang. Mit dieser Aktienzeichungsaktion unter dem Motto: Je mehr Aktien desto  höher der Bildungsgrad des Volkes von Baar! erscheinen 257 ausgegebene Aktien zu Fr. 5.-- im ersten Kassabericht von 1880. Mit diesem Kapital musste aber auch die gesamte Theaterinfrastruktur angeschafft werden, denn ausser dem neuen Gebäude war nichts vorhanden. Es reichte nicht einmal für die Deckung der ersten Produktionskosten für Das Zauberkäppchen. Kaum auf der Welt, benötigte der Kulturneuling bereits eine Finanzspritze, um wieder auf die Beine zu kommen. Es mussten zwei Anleihen zu Fr. 1000.--von der damaligen Kredit Anstalt in Zug, Vorläuferin der heutigen Kantonalbank, aufgenommen werden. Auch ein Vorschuss der Spar- und Leihkasse in Baar im Betrag von Fr. 250.-- wurde beansprucht. In der Folge reihte sich fast alle Jahre eine Produktion an die andere. In den ersten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts hatte die Theatergesellschaft eine überregionale Ausstrahlung. Ihre Inserate erschienen nicht nur im Kanton Zug, sondern auch in den Anzeigern von Horgen, Wädenswil, Thalwil, Affoltern a. A., Muri  AG und einmal sogar im Zürcher Tages Anzeiger. Es war vorerst eine erfolgreiche Zeit und sie erreichte ihren Höhepunkt 1922 mit den Aufführungen des Volksstückes Bajazzo und seine Familie, als Zusatzaufführungen notwendig waren und noch nie erreichte Einnahmen verzeichnet werden konnten. Diese Produktion brachte einen Gewinn von Fr. 2993.55. Die Verantwortlichen erkannten richtigerweise die zusätzliche Attraktivität von  Musik im Theater und spannten mit dem Orchesterverein zusammen, der für die Zwischenaktmusik verantwortlich zeichnete und dafür entlöhnt wurde. Man leistete sich in der Folge auch professionelle Regisseure aus den Theatern von Luzern und Zürich. Die Eintrittspreise bewegten sich 1929 für sechs Platzkategorien zwischen Fr. 3.50 für Sperrsitz (Fauteuils) und Fr. 1.50 für 2. Platz unnummeriert. Zum Vergleich: Im Restaurant kostete dazumal das Zobig für die drei Bühnenarbeiter 4 Franken, ein Kaffee 40 Rappen, ein grosses Bier 35 Rappen und 33 Nachtessen mit Wein für einen Vereinsabend waren für total 99 Franken zu haben. In der Bäckerei kostete das Weggli 10 und ein Schild 40 Rappen. Der Metzger verlangte für das Paar Wienerli 40 Rappen.

Das 50-Jahr Jubiläum 1930 wollte die Theatergesellschaft mit einer aufwändigen und grossen Produktion begehen. Das patriotische Schauspiel Hans Waldmann sollte gegeben werden. Man war sich der Schwierigkeiten und Kosten für diesen Anlass bewusst, wurde allerorts zur Durchführung ermuntert und selbst die Deckung eines allfälligen Defizits wurde in sichere Aussicht gestellt. Als Regisseur holte man Carl Schmid-Ploss aus Zürich für Fr. 1200.-- Honorar. Für die Frisuren und Masken war Otto Marz, Friseur des Stadttheaters Zürich, zuständig. Er kostete Fr. 800.--. Unmittelbar nach der Kilbi 1929 wurde mit den Proben begonnen und schon am 5. Januar 1930 war Première. Diese kurzen Probenzeiten waren damals durchaus üblich. Doch nun folgten die herben Enttäuschungen. Der Besuch der Zuschauer liess zu wünschen übrig und die versprochenen Defizitdeckungen von Bürgern und Korporationen wurden nicht alle eingehalten, so dass die Kasse mit einem Minus von über Fr. 2000.-- abschliessen musste. Schuld für den Misserfolg gab man einerseits dem Zeitgeist, der zu bequem und zu nachlässig sei, um sich mit ernsten und belehrenden Theaterstücken zu befassen, andererseits den mittlerweilen überall verbreiteten Kinos. 1923 gab es bereits das Grand Cinema, heute das Kino Gotthard in Zug. Nachdem das Theater also lange Zeit alleine dem Unterhaltungsbedürfnis der Bevölkerung entgegenkam, trat nun Konkurrenz auf. An der Generalversammlung vom 13. 9. 1930 wurde der Regisseur noch einmal speziell gelobt, weil er es verstand, aus alten Requisiten noch schöne Bilder zusammenzustellen und weil er während den Proben moralisch sehr vorbildlich wirkte, so dass keine Trinkgelage entstanden sind. Offenbar hatte man da schon anderes erlebt. Dem Vorstand war aber durch den Misserfolg die Freude verloren gegangen, so dass er gesamthaft sein Amt niederlegen wollte. Da die Versammlung aber seine Arbeiten lobte und anerkannte, entschied er sich trotzdem, die Mühen noch einmal auf sich zu nehmen.
Die Wirtschaftskrise verhinderte in den nächsten 2 Jahren eine Aufführung. Interessanterweise appellierte der Arbeitgeber Verband von Zug und Umgebung an die verschiedenen Vereine, Veranstaltungen zu unterlassen. Man sorgte sich um die ohnehin knappen Familienbudgets der Arbeiterschaft, die durch unnötige Ausgaben aus dem Gleichgewicht gekommen wären. So gingen die zwei nächsten Vereinsjahre als ruhig in die Annalen ein.
Nach dem Misserfolg mit Hans Waldmann wandte sich die Theatergesellschaft der reinen Unterhaltung zu. 1934 kam die erste Operette in Baar, Der fidele Bauer, mit grossem Erfolg zur Aufführung. Noch zwei weitere Operetten wurden in den  nächsten drei Jahren produziert, bevor für die fogenden 12 Jahre Ruhe in den Theaterbetrieb einkehrte.

Während den erfolgreichen Zeiten schätzte man auch die bei Künstlern allgemein beliebte Ess- und Trinkkultur. Ausserordentlich viele Belege über Wirtshausabrechnungen liegen vor. Der Revisorenbericht von 1924 rügte aber dieses Gebaren. Er stellt fest, dass sich die Ausgaben für kulinarische Genüsse von Jahr zu Jahr mehren und hofft, dass es gelinge, für künftig ein engeres Mass anzusetzen, damit die Gesellschaft im Stande wäre auch bei bescheidenern Einnahmen sich finanziell zurecht zu finden. Diese Mahnung war sehr weitsichtig, denn finanziell war den Produktionen ab 1925 leider kein Erfolg mehr beschieden. Die Gesellschaft erwirtschaftete mehrmals kräftige Defizite, so dass die Bankschuld um 1930 stets zwischen Fr. 4000.-- und Fr. 5000.-- lag, mit einem Maximum von Fr. 4887.-- im Jahre 1928. Für die damalige Zeit waren das enorme Beträge und eine Kulturförderung durch die öffentliche Hand, wie sie heute üblich ist, gab es noch nicht. Richtig ungemütlich muss es in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg gewesen sein. 1937 wurde die TGB von der Helvetia Versicherung wegen der nicht eingezahlten Prämie für die Utensilien gemahnt, im Mai 1938 verlangte das EW Baar endlich die Begleichung der Stromrechnung für 1937 und Tiefpunkt der finanziellen Schwierigkeiten war zweifelsohne die am 24. 4. 1939 vom Betreibungsamt Baar ausgesprochene Pfändigungsankündigung, nachdem die Theatergesellschaft eine Schuld im Betrag von Fr. 2310.-- bei der BANK in ZUG, die sich seit 1937 in Liquidation befand und bei der sie schon seit Jahren in der Kreide stand, nicht ausgleichen konnte. Die Bank wollte offenbar ihr Scherflein am Trockenen wissen und an Theateraufführungen zur Füllung der Kasse war nicht zu denken. Die Bühnenrequisiten wurden vom Betreibungsamt bereits aufgenommen, als sich der Kassier immer noch standhaft weigerte, die Kasse mit den Belegen auszuhändigen. Mit eingeschriebenem Brief wurde der Theatergesellschaft gedroht, nötigenfalls mit Polizeigewalt sich das Recht zu verschaffen.
Das Thema war dann wohl oder übel mehrmals Traktandum an den Vorstandssitzungen und an der ausserordentlichen GV vom 2. Mai 1939. Verschiedene Lösungen wurden diskutiert, selbst die Versteigerung des Inventars und die Auflösung der TGB. Wie diese Klippe aber effektiv umschifft wurde, ist unbekannt, denn Protokolle aus der Zeit des zweiten Weltkrieges fehlen. Es ist anzunehmen, dass während dieser Zeit das Vereinsleben sistierte. Sicher ist nur, dass am 24. September 1945 in der Brauerei vier Herren sich zu einer Sitzung zusammenfanden und der TGB mit einem Kassabestand von Fr. 5.50 wieder ein wenig Leben einhauchten.

Das Bühnen- und Beleuchtungsmaterial, die Bestuhlung sowie weitere Requisiten wurde über all die Zeit vor dem Krieg erneuert und erweitert und immer wieder an andere Baarer Vereine zur Benutzung  vermietet. Es war eine zusätzliche Einnahmequelle. Die in einem Reglement festgehaltenen Tarife waren aber auch Gegenstand harter Verhandlungen. 1932 kam es zu einem heftigen schriftlichen Disput zwischen der Theatergesellschaft und Hochwürden Herr Prof. Dr. J. Hartmann der Kongregation Baar, der das Mysterienspiel Der verlorene Sohn aufführen und die Einrichtungen der Theatergesellschaft benützen wollte. Dr. J. Hartmann bezichtigte ob der Mietgebühr die Theatergesellschaft des Rückfalls in die krassesten Zeiten des Kapitalismus . Er prangerte das Missverhältnis zwischen Leistung und Bezahlung an. Seine Leute hätten wahrhaftig keine Lust soviel Mühe und Arbeit um nichts auf uns zu nehmen, damit Andere einen leichtverdienten Gewinn einstecken könnten. Nachdem sich im Dorf das Gerücht ausbreitete, die Theatergesellschaft nütze die Situation aus, gab man dem finanziellen Angebot von Dr. J. Hartmann nach mit der Bitte, er solle dafür besorgt sein, die Gerüchte zum Verstummen zu bringen. Wer überhaupt zu dieser Zeit moralische Instanz war, geht aus einem Gesuch von  1933 hervor. Für den Vereinsabend vom Freitag, den 17. 2. in der Brauerei, ersuchte man das Pfarramt um die Erlaubnis zum Fleischgenuss. Pfarrer Bolliger erlaubte und für Fr. 4.-- pro Person konnte ein währschaftes Nachtessen gereicht werden.

Ab 1949 wurde der Theaterbetrieb dann wieder aufgenommen, allerdings in sehr lockerem Rahmen. Es schien mehr ein letztes Zucken der sich im Niedergang befindlichen Theatergesellschaft. Bis 1952 wurde gespielt, dann herrschte Stille bis 1960. 1962 kam Die kleine Niederdorfoper zur Aufführung und 1971 noch einmal Der fidele Bauer. Das Jubiläum 101 Jahre Theatergesellschaft im Jahre 1982(!) begingen dann einige Dauerläufer der Baarer Theaterszene. Trudi Gauch, Pius Tschalèr, Esther Kreienbühl, Monika Perner, Marius Knobel, Peter Wolf und der heute national bekannte Kabarettist Osy Zimmermann präsentierten in der Rathus-Schür eine Auswahl von Szenen aus Stücken, die die Theatergesellschaft während den letzten 50 Jahren gespielt hatte. Am Klavier begleitete Felix Rusterholz , die Zwischentexte trug Alfred Bruggmann vor und durch den Abend führten Annemarie Hotz und Alois Rosenberg. Gleichzeitig fand eine nostalgische Rückschau mit einer Ausstellung von Fotos und Dokumenten statt. Das schien es dann mit der Theatergesellschaft gewesen zu sein.

Doch Totgeglaubte leben länger! Mit dem Umbau des Gemeindesaales und auf die 700-Jahr Feier der Eidgenossenschaft gaben sich die verbliebenen Verantwortlichen der TGB einen erneuten Ruck, beriefen auf den 2. März 1990 eine öffentliche GV ein mit dem Ziel, eine Reaktivierung der TGB anzustreben.  Neue Leute konnten gewonnen werden und 1991 wurde  Das Fest, eine Trilogie über Baar in den Jahren 1291, 1991 und 2691, Start zu einem weiteren Anlauf zur Neubelebung. Der neue Vorstand gab sich in der Folge auch ein bis heute gültiges Leitbild. Hauptziel ist es, die TGB zu einer vielseitigen kulturellen Organisation zu formen, die jährlich mindestens einen Anlass organisiert, mindestens jedes 2. Jahr eine Theaterproduktion mit hohem Niveau produziert und dabei innerhalb der Gesellschaft eine gute Kameradschaft und Führungs- und Konfliktkultur pflegt. Diesen hehren und weiteren Grundsätzen wird seither versucht nachzuleben. Hauptproblem ist aber wie bei andern Vereinen auch, genügend Leute zu finden, die bereit sind, sich  zu engagieren und so zur lokalen Kultur etwas beizutragen. Der Spielerinnen- und Spielerpool der TGB umfasst heute zwar um die dreissig Personen, von denen aber alljährlich nur etwa die Hälfte zur Mitarbeit zur Verfügung steht. Kultur bedeutet eben nicht nur, mit genügend Geld Produktionen einzukaufen und dem Publikum vorzusetzen, sondern mit eigenen Leuten möglichst viel Eigenständiges zu produzieren und anzubieten, denn das ist schlussendlich der Kitt, der die Menschen in einer Gesellschaft zusammenbringt und hält. In diesem Sinn hat die TGB seit 1993 jährlich wieder gespielt. Von den sieben Theaterproduktionen, immer mit Musik von lokalen Musikern, waren 4 Stücke reine Eigenproduktionen, die andern 3 mit eigenen Ideen verändert oder ergänzt. Dreimal hat sich die TGB mit Märchenproduktionen in der Adventszeit speziell den Kleinen und Junggebliebenen verschrieben. Grösster Erfolg, aber auch mit dem grössten Aufwand verbunden, war 1999 der Letzte Wille. Dabei spielte die TGB eine Erbschaftskommödie in einer leerstehenden Halle der Victoria Möbel Fabrik. Das Publikum wurde in das Stück aktiv einbezogen. Die Zuschauer waren Trauergemeinde und bekamen ein Leichenmahl serviert. Die Produktionen der heutigen Theatergesellschaft, die für die künstlerische Leitung stets professionelle Leute engagiert, bewegen sich auf einem für Laientruppen überdurchschnittlich hohen Niveau. Dieses Niveau ist eine Folge des zeitlich intensiven Aufwandes der Verantwortlichen und der Spielerinnen und Spieler. Produktionen werden in der Regel 9 bis 12 Monate vor der Première bereits zur Hand genommen. Dank dem grosszügigen Entgegenkommen von Kanton, Gemeinde und privaten Sponsoren und Gönnern können die aufwändigen Produktionen finanziert werden.